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Die synoptischen Evangelien

von Ganso

 

  • Religionsklausur (Jahrgang 11)
  • 2stündig
  • 14 Punkte



Aufgaben:

1)a) Stellen Sie kurz die Zwei-Quellen-Theorie dar.

1)b) Erarbeiten Sie aus dem Vergleich der drei Perikopen (Mk. 1,32ff parr) Belege dafür.

1)c) Nennen Sie theologische Eigenarten von Lukas, Markus, Matthäus (Textbelege!).

1)d)

Er sagte aber zu einigen, die sich einbildeten, fromm zu sein, und die anderen verachteten, dieses Gleichnis: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war Pharisäer, der andere Zöllner. Der Pharisäer stellte sich allein hin und betete so: "Gott, ich danke dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner da. Ich faste zweimal die Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines Einkommens" - Der Zöllner aber blieb hinten stehen und wagte nich einmal sein Auge zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: "Gott, sei mir Sünder gnädig!" Ich sage Euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, jener aber nicht. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

2) Zu welcher Fragestellung in der Gegenwart könnte ein Prediger diese Geschichte als Veranschaulichung heranziehen?

3) Nehmen Sie begründet Stellung zu der Frage, ob die Geschichten von Jesus in den Evangelien historisch zuverlässige Faktendarstellungen sind.

4) Welche Erläuterung paßt?

Evangelist: Vorleser des Evangeliums - Schreiber eines Evangeliums - evangelischer Christ

Redaktion: Informationsverarbeitung - Raum für Reporter - Lenkung von Informationen

Synopse: Ort in Griechenland - Vergleich - Überblick - Zusammenschau

Tradition: Überlieferung - Übertragung - Bewahrung - Auflebenlassen von Altem

 

5) Weisen Sie an einem Beispiel nach, wie Jesus mit dem Gesetz umgeht.

6) Versuchen Sie sich selbst an einer ähnlichen Auslegung zum Folgenden Gebot:

Du sollst nich falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!

 

16 Am Abend aber

 

 

brachten sie viele Besessene zu ihm

 

und er trieb die Geister aus durch die Macht des Wortes und heilte alle Kranken.

 

 

17 So sollte erfüllt werden, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist: "Er nahm unsere Schwachheit auf sich, und unsere Krankheiten trug er."

32 Am Abend aber ,

als die Sonne untergegangen war, brachten sie alle Kranken und Besessenen zu ihm.

33 Und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt.

34 Und er heilte, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus;

 

und die Dämonen ließ er nicht reden, weil sie ihn kannten.

40 Als aber die Sonne unterging, brachten sie alle ihre Kranken mit den verschiedensten Gebrechen zu ihm.

 

Einem jeden von ihnen legte er die Hände auf und heilte sie.

41 Von vielen fuhren die Dämonen aus, die schrien: "Du bist der Sohn Gottes!" Doch er herrschte Sie an und ließ sie nicht reden, weil sie wußten, daß er der Christus ist.

 

 

 

 

1)a )Die Zwei-Quelle-Theorie besagt folgende Dinge: Zuerst Markus hat als erster der vier Evangelisten sein Evangelium verfaßt. Vor ihm gab es bereits schrifliche Zeugnisse. Er hatte diese und die mündlöiche Überlieferung zur Verfügung. Lukas und Matthäus haben es unabhängig voneinander als Quelle benutzt. Weiterhin verfügten beide über eine weitere schriftliche Quelle, die Logienquelle Q, die vorrangig Jesusworte enthielt, aber vorlorengegangen ist. Unabhängig voneinander verfügen sie noch über Sondergut, von dem nicht bekannt ist, ob es schriftlich oder mündlich war, welches jeweils nur einer von beiden zur Verfügung hatte.

 

b) Die Zweiquellentheorie zeigt sich in diesen Perikopen unter anderem am kleineren Umfang des Markustextes, dies deutet darauf hin, daß Matthäus und, wenn auch nicht ganz so stark, Lukas Passagen aus ihren eigenen Quellen hinzugefügt haben. Weiterhin finden sich sowohl Mt-Mk-Übereinstimmungen, als auch Lk-Mk-Übereinstimmungen, aber keine Übereinstimmungen zwischen Lukas und Matthäus, die nicht auch bei Markus zu finden wären. Dies beweist ebenso, daß Matthäus und Lukas Markus als Quelle unabhängig voneinander verwandt haben. Die Logienquelle lässt sich aufgrund der spärlichen Rede schwer nachweisen; lediglich die bei Lukas erwähnten Schrei des Dämonen als auch Jesu Anherrschen dieser, was bei Markus, allerdings auch bei Matthäus fehlt, könnte als aus der Quelle Q entnommen gelten. Alle weiteren nur bei Matthäus oder nur bei Lukas vorkommenden Passagen sind aus dem Sondergut des jeweiligen Evangelisten bezogen.

 

c) Zu den theologischen Eigenheiten des Matthäus zählt, daß er die Messianität Jesu mit alttestamentarischen Zitaten belegt, wie auch hier im Text (Mt 16,17). Markus hingegen möchte zum Schutz der verfolgten Christen jener Zeit das Messiasgeheimnis schützen bzw. herausstellen. So lässt Jesus bei ihm dei Dämonen nicht sprechen, da sie ihn als Messias kennen (Mk 1,34). Auch legt er Wert auf die Umgebungs- und Situationsbeschreibung (Mk 1,33). Lukas schließlich spricht einerseit sozial niedere Schichten an, so heilt Jesus hier die "verschiedensten Gebrechen" und kümmert sich um "jeden von ihnen" (Lk 4,40f). Andererseits betont er als Arzt die körperliche Handlung des Handauflegens (Lk 4,41).

 

d) Ich glaube, daß diese Perikope Lukas zuzuordnen ist. Markus kann sie nicht verfasst haben, da er über die Logienquelle nicht verfügte, in der Gleichnisse enthalten waren. Zu Lukas passt einerseits, daß die Geschichte Arnen und sozial niedrig Stehenden Mut machen soll, andererseits aber auch das Ende, in dem diesen Menschen ein besseres Leben nach dem Tode versprochen wird. Für Matthäus würde ich eher Belege aus dem AT erwarten.

 

2) Man könnte dieses Beispiel heranziehen, wenn es um die Behandlung bzw. Redintegration von Straftätern in die christiliche Gemeinde geht; wenn Mörder oder andere Schwerverstbrecher nach abgeleisteter Strafe freigelassen werden, will meist niemand, auch Christen nicht, etwas mit ihnen zu tun haben. Einerseits ist dies natürlich eine mehr als verständliche Reaktion, andererseits zeigt Jesus in diesem Gleichnis überdeutlich, daß unser Überlegenheitsgefühl fehl am Platze ist. Selbst wenn wir uns immer richtig verhalten haben, stellt uns unsere Arroganz unter den reuigen Sünder. Genau wie der Pharisäer den Zöllner, so verachten wir heute den, der vom rechten Wege abgekommen ist. Wir sollten solche Menschen stattdessen aufnehmen in unsere Gemeinschaft; ihnen verzeihen und ihnen so die Chance zu einem Neuanfang geben.

 

3) Die Jesusgeschichten aus den Evangelien sind historisch sicherlich teilweise anfechtbar: Allein durch die jahrelange mündliche Überlieferung ist es zu Ausschmückungen und Verfälschungen gekommen. Weiterhin hat jeder Evangelist sich vorrangig die Geschichten herausgesucht, die zur Gesamtaussage seines Evangeliums passten. So will z.B. Matthäus primär auch alte Prophezeiungen erfüllt sehen. Ein Teil ist sicherlich aber auch historisch, was auch die weinigen außerbiblischen, heidnischen Quellen belegen.

 

4)Schreiber eines Evangeliums; Informationsbearbeitung; Zusammenschau; Überlieferung

 

5) Jesus will das Gesetz keinesfalls aufheben oder schwächen, im Gegenteil: Oft tritt er sogar für eine Radikalisierung, eine Rückführung auf den Ursprung des Gesetzes, ein. So erweitert er beispielsweise die Sünde des Ehebrechens stark: Jesus sieht nicht erst den Ehebruch selbst als Sünde, für ihn beginnt dies schon mit dem Begehren einer anderen Frau, man solle sich eher ein Auge ausreißen, sagt er. Auch Scheidungen, nach dem AT erlaubt, betrachtet er als Ehebruch. Die Bestrafung hierfür will er aber weniger den Menschen, als vielmehr Gott überlassen. Dies lässt sich an der Geschichte von der zu steinigenden Ehebrecherin belegen. Jesus verhindert die Steinigung ("... wer von Euch ohne Sünde...").

 

6) Dieses Gebot, welches ursprünglich auf die Falschaussage vor Gericht zu beziehen war, ist sicherlich sehr viel algemeiner zu verstehen. Auch schlichtes Lügen ist damit gemeint. ebenfalls sind Betrug, Veleumdung, Diffamierung oder scheinbar harmloses Flunkern mit einzubeziehen. Aber nicht nur dies: In einer sehr radikalen Auslegung kann auch schon die Erwägung, die Unwahrheit zu sprechen, als Sünde verstanden werden, oder auch die Verbreitung unbestätigter Gerüchte. Es ruft also auf, jederzeit und überall die Wahrheit zu sagen und nichts anderes zu wollen.

Kategorie: evangelische Religion | Kommentare (9)
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