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Tätigkeiten

von Friedemann Winkler

  • Praktikumsbericht (Jahrgang 11)
  • 13 Punkte (vor Korrektur)

 

3. Beschreibung meiner Tätigkeiten

a) Tabellarische Zeitübersicht über die verschiedenen Beschäftigungsbereiche

Montag, 31.01.2005

Zeit

Ort

Tätigkeit

07:30

Wache

Ankunft, Ausweiskontrolle

08:00

Briefingraum

Begrüßung und Einführung durch Jugendoffizier

08:45

Kasernengelände

Rundgang durch einen Teil des Kasernengeländes,

Gespräch mit anderen Praktikanten im Mannschaftsheim

10:00

Inst100

Kleinere Arbeiten bei der Inst100

11:30

Truppenküche

Mittagessen, Pause

12:30

Inst100

Abbau, Wartung und Anbau verschiedener Teile einer BO105

 

Dienstag, 01.02.2005

Zeit

Ort

Tätigkeit

08:00

Inst100

Ankunft in der Inst100, Abteilung Triebwerker

08:30

Inst100

Führung mit ausführlicher Erklärung der BO105, insbesondere Triebwerke und Instrumente

10:30

Inst100

Wartungsarbeiten an einem BO105 Triebwerk

11:30

Truppenküche

Mittagessen, Pause

12:30

Inst100

Überprüfung und Anbau von Triebwerkteilen

 

Mittwoch, 02.02.2005

Zeit

Ort

Tätigkeit

08:30

Tech VA

Ankunft bei der Tech VA

09:15

Tech VA

Reinigung eines BO105 Triebwerks mit Hochdruckpumpe

11:30

Truppenküche

Mittagessen, Pause

12:30

Tech VA

Wartung der Hydraulik-Tandem-Steueranlage einer BO105

 

Donnerstag, 03.02.2005

Zeit

Ort

Tätigkeit

08:00

Tech VA

Austauschen der Bremsbacken der Rotorbremse einer BO105

09:30

Tech VA

Abkleben von wichtigen Teilen für Neulackierung

11:00

Truppenküche

Mittagessen, Pause

12:00

Tech VA

Ersatzteilbestellung, kleinere Arbeiten

13:30

Tech VA

Fotos machen

Freitag, 04.02.2005

Schießtraining im Simulator VGSHP und Gespräch mit Klassenlehrer

 

Montag, 07.02.2005

Zeit

Ort

Tätigkeit

08:00

Tech C

Ankunft bei Tech C, Gespräch mit Fluggerätmechanikern

09:30

Tech C

Gespräch mit Fluggerätelektronikern

11:00

Truppenküche

Mittagessen, Pause

12:00

Tech C

Triebwerkwechsel an einer BO105

13:30

Tech VA

Einführung in die Elektronik und Avionik einer BO105

 

Dienstag, 08.02.2005

Zeit

Ort

Tätigkeit

08:30

Tower

Ankunft am Tower, Einführung in Instrumente und Aufgaben

10:00

Tower

Gespräch mit Fluglotsen über Beruf und Ausbildung

11:00

Truppenküche

Mittagessen, Pause

12:00

S6

Besichtigung der Abteilung S6 (Computer)

13:30

FEZ

Flugeinsatzzentrale, Gespräch über Aufgaben und Ausbildung

 

Mittwoch, 09.02.2005

Zeit

Ort

Tätigkeit

08:00

Briefingraum

Instruktionen für den Geländetag mit der Heeresflugstaffel 109

08:30

Scheuen

Fahrt nach Scheuen, Besichtigung der Panzerkaserne

09:30

Wald

Patrouillenübung, Gefangennahme von Terroristen

11:30

Kaserne Scheuen

Hindernisbahn

 

Donnerstag, 10.02.2005

Zeit

Ort

Tätigkeit

08:00

GeoPhys

Einführung in die Aufgaben der Geophysikalischen Wetterberatung, Besichtigung der Beobachtungsstation

09:30

GeoPhys

Gespräch mit Wetterberater, Einblick in Computerprogramme

11:30

Truppenküche

Mittagessen, Pause

 

Freitag, 11.02.2005

Gespräch mit dem Wehrdienstberater, Empfang von zusätzlichem Material für den Bericht

 

b) Genauere Beschreibung von zwei Tagesabläufen

Wie man schon an der vorangehenden Tabelle sehen kann, habe ich mich vor allem mit der Wartung und Instandsetzung der Hubschraubers vom Typ BO 105 beschäftigt, daher werde ich nun auf einen Tag bei der Instandsetzungsstaffel 100 und einen Tag bei der Technischen Verbindungs- und Aufklärungsstaffel 100 (Dienstag, 01.02.2005 / Mittwoch, 02.02.2005) genauer eingehen.

 

Dienstag, 01.02.2005

Um 8:00 Uhr morgens bin ich bei der Inst100, Unterabteilung Triebwerker, angekommen. Nachdem ich begrüßt und vorgestellt worden bin, habe ich erst einmal mit den Triebwerkern ein zweites Frühstück eingenommen, über Computer gefachsimpelt und alle ein wenig kennen gelernt. Anschließend hat mich einer von ihnen durch die Halle der Inst und den sich daran anschließenden Raum der Triebwerker geführt. Dabei hat er mir alles erklärt, was ich wissen wollte, und so hatte ich die Möglichkeit, Unmengen von Fachwissen über den Hubschrauber, dessen Bedienung und das verwendete Triebwerk zu erfahren. Ich wurde auch auf die kleinen Fehler und Macken aufmerksam gemacht, die an dem Hubschrauber zu finden sind, so ist zum Beispiel der ganze Hubschrauber in Deutschland gebaut, das Triebwerk aber ist ein amerikanisches Fabrikat. Das Problem, das einem Außenstehenden nicht sofort klar wird: Da die Amerikaner nicht das metrische System haben, sind alle Schrauben, Muttern und sonstige Bauteile des Triebwerks in den in Amerika geltenden Normgrößen gefertigt. Das hat zur Folge, dass man für jeden Arbeiter extra einen kompletten Werkzeugsatz braucht, um mit Schrauben von Größen wie ½ Zoll, ¼ Zoll oder ¾ Zoll fertig zu werden, zusätzlich aber auch noch das „normale“ Werkzeug im metrischen System für den Anbau des Triebwerks an den Hubschrauber.

Nach der Führung wurde ich in die Benutzung der „German Airforce Technical Orders“ kurz GAF TO eingeführt. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein großer Schrank voller Aktenordner, in denen jeder Handgriff, den man am Hubschrauber machen könnte, bis ins kleinste Detail erklärt ist. Immer wenn man etwas machen will, muss man erst in das GAF TP schauen, wie es gemacht wird. Das ist natürlich eine für die Flugsicherheit sinnvolle Maßnahme, aber wenn man erst mal zehn Jahre in der Inst gearbeitet hat, dann kennt man fast jeden Handgriff und würde die Vorschrift eigentlich nicht mehr benötigen. Besonders stark ist die Versuchung, sich den Richtlinien zu widersetzen, wenn die Arbeitsschritte (nach Meinung der Arbeiter) wieder einmal zu pingelig sind und zum Beispiel für jede Schraube im Ordner steht, wie fest sie angezogen werden soll. Dann muss man einen Torqueschlüssel holen, auf dem die aufgewendete Kraft in Newtonmetern angezeigt wird, und die Schraube mit viel Fingerspitzengefühl anziehen. Das führt dazu, dass die meisten alle Schrauben einfach „handfest“ anziehen.

Jeder Arbeiter hat seine eigenen signierten Werkzeuge zur Verfügung. Am Ende des Arbeitstages und vor den Pausen müssen alle Werkzeuge in den Werkzeugkästen verstaut und auf Vollständigkeit geprüft werden. Wenn etwas fehlt, wird so lange gesucht, bis es wieder da ist, auch wenn es noch so lange dauert. Diese Maßnahme ist unverzichtbar, denn ein Werkzeug, das im Hubschrauber vergessen wurde, oder etwa in die Turbine gefallen ist, kann sehr großen Schaden anrichten und den Hubschrauber abstürzen lassen.

Wenn man einen Arbeitsabschnitt abgeschlossen hat, also etwa eine Baugruppe abmontiert, gereinigt und angebaut, muss man dafür jedes Mal in einem Hefter unterschreiben (so dass bei eventuellen Unfällen, die auf Grund eines Fehlers in der Baugruppe passieren, der Verantwortliche schnell gefunden werden kann) und einen Prüfer holen, der sich alles genau anschaut und dann auch noch mal unterschreibt. Auch diese doppelte Kontrolle ist wichtig für die Flugsicherheit.

Nach all diesen Erklärungen, es war schon etwa 11:00 Uhr, durfte ich selbstständig kleinere Arbeiten verrichten, wie zum Beispiel mit Schmirgelpapier von diversen Teilen Korrosionsschäden entfernen. Danach, um 11:30, war Mittagspause in der Truppenküche.

Satt und ein wenig ausgeruht ging es nach dem Essen weiter mit dem Erlernen der Drahtsicherung von Schrauben. Dabei wird durch Löcher im Kopf der Schraube ein Sicherungsdraht gezogen, dieser wird zusammengedreht und schließlich mit dem Kopf einer anderen Schraube verbunden, so dass keine von beiden sich lösen kann. Diese Technik habe ich nach einigen Übungen an einem Verdichter-Abblas-Ventil (ein Bauteil, das überschüssige Luft aus dem Verdichter austreten lässt) anwenden können.

Nach einer Routinekontrolle durch einen Offizier, bei der sich gezeigt hat, dass man es, wenn es darauf ankommt, mit den Vorschriften doch sehr erst nimmt, war für mich um 15:00 der Arbeitstag beendet.

 

Mittwoch, 02.02.2005

Um 8:30 hatte ich den Weg zur Technischen Verbindungs- und Aufklärungsstaffel (Tech VA) gefunden. Dort wurde ich begrüßt und einem Arbeitsteam zugewiesen. Dort ging es etwas stressig zu, denn um 11:00 sollte ein Hubschrauber gewaschen und überprüft (Vorflugkontrolle) draußen auf dem Platz stehen. Nachdem wir ihn ins Waschdock geschoben und den schlimmsten Dreck von der Außenhülle abgespült hatten, ging es an die Reinigung des Triebwerks. Da ich am Tag zuvor mitbekommen hatte, wie empfindlich dieses ist, war ich überrascht, als man mir die Vorgehensweise erklärte: Das Triebwerk wird im Leerlauf hochgefahren und in den Verdichter wird mit Hochdruck erst eine aggressive Reinigungslösung und dann Wasser zum Nachspülen gespritzt, das dann statt der Luft durch die Turbinen und Leitungen strömt. Damit es dabei nicht zu Zerstörungen kommt, werden besonders empfindliche Teile wie das Verdichter-Abblas-Ventil mit Blindkappen (siehe Anhang) versehen. Andere verdreckte Teile werden einfach mit Putzlappen und Spülmittel gesäubert, wobei ich auch mithelfen konnte. Um 10:00 waren wir fertig und haben den Hubschrauber einem Technikerteam überlassen, das die Elektronik, Avionik, Steuerung und alle sonst noch wichtigen Teile überprüft hat.

Auf einem kleinen Rundgang wurden mir die optisch erkennbaren Unterschiede zwischen den beiden Versionen des BO105 erklärt. So hat zum Beispiel die PAH Version (Panzer-Abwehr-Hubschrauber) verlängerte Heckflügel, ein zusätzliches Getriebe am Heckrotor, dass die Fluglage beim Abfeuern der Raketen stabilisiert, und die Raketen an den Seiten, während der VBH (Verbindungshubschrauber) auf sämtliche Bewaffnung verzichten muss und statt dessen zusätzliche Sitzplätze und Kommunikationsmöglichkeiten besitzt.

Nach dem Mittagessen und einer lockeren Unterhaltung über meine Pläne im Bezug auf die Berufswahl ging es wieder in die Hubschrauberhalle. Ich habe bei der Überprüfung der Steuerstangen und Hydraulik-Tandem-Steueranlage einer BO105 zugeschaut und anschließend selbstständig mehrere kleine Bleche seitlich im Boden des Hubschraubers ausgewechselt, da sie an den Steuerstangen (Verbindung von Steuerknüppel und Pedalen zur Hydraulik-Tandem-Steueranlage unter dem Rotor) gescheuert haben. Diese Aufgabe erwies sich als gar nicht so einfach, weil sich die zu lösenden Schrauben an besonders ungünstigen Positionen befanden, so dass ich nach erfolglosem herumprobieren schließlich einige Schläuche abschrauben musste, die im Weg waren. Bei dieser Gelegenheit ist mir aufgefallen, dass eine Schraube nicht mehr ganz in Ordnung war. Ich habe sie einem der Arbeiter gezeigt, der dies als Anlass genommen hat, mich in die Ersatzteilbeschaffung einzuweihen. Jedes Teil, das im Hubschrauber verbaut ist, ist im GAF TO aufgelistet. Wenn man ein Ersatzteil braucht, schaut man in den Ordnern nach, welche Nummer es hat und ob man das alte Teil zurückgeben muss oder nicht (im Ordner steht hinter dem jeweiligen Teil „Rückgabepflichtig“ oder „Wegwerfteil“). Bei einer simplen Schraube, wie man sie im Baumarkt kaufen kann, kam mir das etwas übertrieben vor, aber Vorschriften sind nun mal Vorschriften… Die Nummer des Teils, sowie die Anzahl der benötigten Teile und viele andere Informationen schreibt man in einen Vordruck und bringt ihn zum Lager. Dort wird geschaut, ob das Teil vorrätig ist, und wenn es das nicht ist, wird es bestellt. Um 14:30 war schließlich Kaffeepause und ich konnte mich um meinen Bericht kümmern.

Kategorie: Praktikumsbericht: Bundeswehr | Kommentare (3)
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