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Umstrukturierung

von Friedemann Winkler

  • Praktikumsbericht (Jahrgang 11)
  • 13 Punkte (vor Korrektur)

 

4. Veränderungen in Technik, Arbeit und Struktur 

Die Bundeswehr ist in der schwierigen Situation, nicht für alle nötigen Neuanschaffungen genug Geld zu haben. Daraus resultiert ein im ersten Moment „ungerecht“ aussehendes Vorgehen, durch welches scheinbar willkürlich ausgewählte Dinge gekauft werden, andere aber nicht. Zu den Neuanschaffungen zählt zum Beispiel der Eurofighter. Dieses moderne Kampfflugzeug ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt, dessen Finanzierung sehr umstritten ist, weil die Technik komplett neu entwickelt werden musste. Nach Meinung vieler Experten hätte man auch für viel weniger Geld F-15 Kampfflugzeuge von den Amerikanern kaufen können, was durchaus nicht unnormal wäre, schließlich werden ja auch russische MIG-29 Flugzeuge von der Bundeswehr verwendet. Nachdem Frankreich zugunsten einer eigenen Neuentwicklung von dem Projekt abgesprungen ist, wurde auch der Preis höher. Zudem war der Termin für die Einführung des Eurofighters schon vor 15 Jahren und bis auf einige Schulungsflugzeuge ist noch nichts fertig gestellt.

Die Argumentation des Verteidigungsministers: Wir können den Amerikanern nicht die ganze Technik überlassen, sondern müssen auch selber forschen. Das kostet zwar erst einmal, bringt uns aber langfristig nicht in amerikanische Abhängigkeit. Außerdem bestärkt das Projekt die Freundschaft zu den anderen Teilnehmerländern.

So wie beim Eurofighter ist es auch bei vielen anderen Projekten. Immer wird überlegt und gerechnet, wie viel Geld für was ausgegeben werden kann. Auch am Fliegerhorst gibt es diese finanziellen Probleme. So wird dort zum Beispiel aus Ermangelung von neuen unbewaffneten Verbindungshubschraubern der etwas modernere aber auch schwieriger zu wartende Panzerabwehrhubschrauber zum VBH abgerüstet (beides Grundtyp BO105). Bald werden ältere Bell UH-1d, Erstflug bei der Bundeswehr schon 1965, die Flotte des Stützpunktes ergänzen. Auf der anderen Seite ist wieder genug Geld vorhanden, um an anderen Stützpunkten neue Tiger-Unterstützungshubschrauber anzuschaffen. So wie bei den Heeresfliegern ist es auch bei der Luftwaffe und bei der Marine. Neues Militärgerät kostet sehr viel Geld, daher greift man auf älteres zurück.

Kleinere Änderungen gibt es auch in den Büros und Werkstätten im Fliegerhorst. So bekommt die Geophysikalische Wetterberatung zwar neue Hightech-Computersysteme für die Wetterbeobachtung und Vorhersage, der kleine PC als bessere Schreibmaschine für die Sekretärin musste aber komplett aus der Kaffeekasse finanziert werden, weil er in den veralteten Finanzplanungen nicht vorgesehen war. Auch werden flächendeckend Flachbildschirme ausgegeben, die zugehörigen Computer, Betriebssysteme, Drucker und Eingabegeräte bleiben aber veraltet (In der GeoPhy werden aus Lizenzgründen vier Betriebssysteme (Windows XP, Windows 98, Linux, Unix) nebeneinander verwendet, für Einheit ist kein Geld).

Abgesehen von dem Arbeitsgerät ändern sich natürlich auch die Arbeitsabläufe. Das sieht man in Wietzenbruch vor allem bei der Ausbildung, für die moderne Trainingssysteme wie der Schießsimulator AGSHP 0815-1100 angeschafft wurden (AGSHP vor acht Jahren). Im Gegensatz dazu hat sich an der Arbeit in den Werkstätten in den letzten 20 Jahren nicht viel geändert. Dort gibt es keine Computer, sondern nur die schon erwähnten Aktenordner, in denen jeder Handgriff bis ins kleinste Detail beschrieben ist. Schon deshalb wäre eine Änderung in dem Ablauf der Reparaturen mit Problemen verbunden, die wenig flexiblen Vorschriften in den Aktenordnern müssten für jede Änderung komplett neu gedruckt werden (was ein möglicher Grund für die Anschaffung von Computern in den Werkstätten wäre). Der Ablauf der Reparaturen und Wartungen muss aber auch nicht grundlegend geändert werden, weil sich auch die Hubschrauber nicht ändern (abgesehen von kleineren Änderungen für die Verbesserung der Flugsicherheit).

Zuletzt ist noch der allgemeine Strukturwandel der Bundeswehr erwähnenswert. Deutsche Soldaten werden heute nicht mehr in erster Linie für die Verteidigung des Landes benötigt, sondern sie sind an unterschiedlichen Orten zur Durchführung friedenssichernder Maßnahmen und zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus im Einsatz und nehmen so zum Beispiel im Rahmen der ISAF in Ländern wie Afghanistan Aufgaben zum Schutz der Menschenrechte wahr (Beschreibung der Auslandseinsätze im Anhang). Daher werden sie immer mehr in Eingreiftruppen und Kriesenreaktionskräfte umgewandelt. Da weniger Soldaten gebraucht werden, müssen Standorte geschlossen werden. Hiervon ist der Fliegerhorst Wietzenbruch glücklicherweise nicht betroffen, weil es hier nicht nur eine Staffel gibt, sondern mehrere und zusätzlich noch das Ausbildungszentrum C. So sind die Arbeitsplätze dort nicht bedroht und werden es wohl auch vorerst nicht sein.

Kategorie: Praktikumsbericht: Bundeswehr | Kommentare (3)