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Wissen und Glauben

Von Nadine Theiler

  • Klausur katholische Religion (12./13. Jahrgang)
  • 2-stündig
  • 13 Punkte (vor Korrektur)

 

Aufgaben:

1.

Stellen Sie die jesuanische Reich-Gottes-Botschaft unter Bezug auf biblische Beispiele vor und erläutern Sie in diesem Zusammenhang, „ wie der Mensch in der Frage nach dem Menschen und seiner Zukunft vor der Gottesfrage steht" (Z. 20f)!

2.

Verdeutlichen Sie mit Hilfe der Entwicklung eines Beispiels, welche Gefahren laut Emeis ein rein naturwissenschaftlich orientiertes Bild vom Menschen bergen könnte)und beziehen Sie umfassend aus christlicher Perspektive zu der Umsetzung eines solchen Gedankens Stellung!

 

 

Wissen und Glauben

Für die Zukunft ist es alles andere als belanglos, was diejenigen, denen die Erkenntnisse der Naturwissenschaft Macht in die Hände geben, über den Menschen, über seine Frei¬heit und Würde, über sein Recht und seine Person denken werden. Sehen Sie den Menschen nur als Nachkommen tierischer Ahnen, könnten Sie auf den Gedanken kommen, allerlei mit ihm anzustellen, z.B. ihn auszurotten, damit es mit seinen Problemen ein Ende habe. Der Mensch wird durch die Naturwissenschaften sich selbst immer mehr zu einer Frage, die zu klären wichtig ist. Der Mensch muß sich dieser Frage nicht stellen. Er kann vor ihr fliehen, sie vermeiden im Betrieb von Arbeit und Unterhaltung. Er kann weiterforschen, ohne nach dem Sinn seiner Forschung zu fragen. Er kann einfach weitermachen, an der Welt und sich herumbauen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was das soll. Er kann auch unproblematisch fordern, seine Arbeit habe dem Menschen zu dienen; aber ist sie dann nicht sinnlos, wenn der Mensch sinnlos ist? Und wer sagt etwas über den Sinn des Menschen? Die Naturwissenschaft kann es nicht, weil sie'nicht danach fragt und mit ihren Mitteln auch nicht danach fragen kann.

Dass sich der Mensch durch die Naturwissenschaften auf eine neue und dringende Weise selbst zu einer Frage wird, zu deren Klärung die Naturwissenschaften zwar einen Beitrag leisten können, die aber letztlich anderer Art ist als die Fragen, der Naturwissenschaften, darüber wird man sich mit vielen heute einigen können. [Nicht einheitlich erkennen die Menschen der modernen Gesellschaften, was hier in einem letzten Gedanken als Bekenntnis der Christen kurz angedeutet werden soll: daß und wie der Mensch in der Fragenach dem Menschen und seiner Zukunft vor der Gottesfrage steht. Die "Christen bekennen die Frage nach dem Menschen als den „Ort" der Frage nach Gott entscheidend deswegen, weil sie in Jesus von Nazareth von einem Menschen hörten, dessen ganze Geschichte bezeugt, daß der Mensch es in seinen Sehnsüchten und Hoffnungen, in seinem Gelingen und Versagen, in seiner Freude und Not, im Zusammensein mit Mitmenschen und noch in seinem Tode mit dem Geheimnis zu tun hat, das viele „Gott" nennen. In der Geschichte Jesu von Nazareth ist ihnen dieses Geheimnis der „Tiefe" des Lebens nicht nur in seiner dunkeln Zweideutigkeit, sondern als verheißungs¬volles Licht eröffnet.

 

D. Emeis, Naturwissenschaft und Gottesfrage. In: Wort zur Antwort. Textheft. Freiburg i. Br. 1969, S. 4.

 

 

 

 

 

1.

In seiner Reich-Gottes-Botschaft trifft Jesus zahlreiche, teilweise entgegengesetzte Aussagen über die Natur des Reichs Gottes. Diese sollten jedoch nicht als widersprüchlich sondern vielmehr als einander ergänzende aufgefasst werden.

So wird das Reich Gottes insgesamt zwar als momentan unsichtbar vorgestellt („Vom Kommen des Gottesreiches“), worin sich auch eine Übereinstimmung mit der zweiten, verborgenen Parusie findet, im „Gleichnis vom Festmahl“ jedoch gleichzeitig als teilweise sichtbar dargestellt. Denn sichtbar werde es eben durch die Gemeinschaft der Jünger sowie durch die Menschen, die bereit sind, Jesu nachzufolgen. Ebenso besagt diese Perikope auch, dass das Reich Gottes allen Menschen, d.h. nicht nur bestimmten Gruppen offen stehe.

Durch die Formulierung „Fürchte dicht nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben“ wird zweifellos deutlich, dass das Reich Gottes als Geschenk des Vatergottes aufzufassen ist. An anderer Stelle jedoch, nämlich in der Bergpredigt, in der Jesus radikale Forderungen an die menschlichen Verhaltensweise stellt, entwirft er durch eben diese Forderungen das Bild eines Reichs Gottes, das auch der Lohn menschlicher Mühen ist. Diese Mühen bestehen nämlich darin, die zehn Gebote (vor allem die oben erläuterten Forderungen nach Nächsten- und Feindesliebe etc.) einzuhalten. Dieser scheinbare Widerspruch (Geschenk <-> Lohn der Menschen) wird auch im eschatologischen Vorbehalt formuliert: Beim Eintreten des Reichs Gottes handelt es sich um einen Prozess, zu dem die Menschen zwar mitwirken (futurum --> Bergpredigt), den sie jedoch nicht selbstständig vollenden können (adventus --> Geschenk).

Im Anschluss an die Heilung eines Stummen muss Jesus sich an anderer Stelle gegen den Vorwurf verteidigen, er stünde mit Belzebub im Bunde. Durch seine Ausführungen dabei wird deutlich, dass es sich beim Reich Gottes um eine bereits gegenwärtige, immanente Heilstatsache handelt, die durch Jesu Wirken errichtet worden ist, deren „Beweis“ also zum Beispiel eine jede Wundergeschichte und vor allem auch die Auferweckung/Auferstehung Jesu darstellen.

Ähnliches klingt auch in Emeis Text an, in dem dieser die Frage nach dem Menschen und der Frage nach Gott als für Christen unlösbar eng miteinander verknüpft vorstellt (Z.22f). Als Grund dafür nennt Emeis die Tatsache, dass Jesu Leben (also auch sein oben beschriebenes Wirken) sowie Jesu Auferstehung Zeugnis davon gegeben hätten, dass das menschliche Leben in all seinen Facetten und über den menschlichen Tod hinaus mit Gott verwoben sei (Z. 23ff). So steigt mit dem Handeln im Sinne Jesu die Chance auf ewiges Leben.

In der Perikope vom Weltengericht allerdings, in der ja gleichsam die Vollendung der Zukunft beschrieben wird, ist das Reich Gottes als erst zukünftige und transzendente Heilswirklichkeit beschrieben. In dieser Vorstellung wiederum liegt die christliche Hoffnung auf ein liebend-schöpferisches Gericht, die begründet ist durch die Auferweckung Jesu sowie durch das liebend-schöpferische Handeln Gottes z.B. in der Schöpfungsgeschichte. Auch Emeis verweist auf die christliche Hoffnung, die auf der Geschichte Jesu gründet, auf das „verheißungsvolle Licht“.

Auffällig dabei ist, dass er von „Jesus von Nazareth“ (z.B. Z.27) spricht, den Schwerpunkt also nicht auf die erste Parusie („Kerygmatischer Jesus), sondern auf Jesu Leben als Menschen legt.

 

2.

Betrachtete man den Menschen von einem rein naturwissenschaftlichen Standpunkt aus, sähe man ihn zum Beispiel nur als „Nachkomme tierischer Ahnen“ (Z.3f), so würde dies laut Emeis Gefahren bergen, die hauptsächlich aus dem nicht mehr vorhandenen Respekt vor dem menschlichen Leben resultieren würden. (Z.5f).

Außerdem würde die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens aufgegeben und unbeantwortet bleiben, weil der Naturwissenschaft derartige Fragestellungen fremd seien (Z.13f). Die menschliche Existenz gälte also als sinnlos, was erneut zu einem fehlenden Respekt vor menschlichem Leben und den daraus hervorgehenden Gefahren führen würde.

Ein Beispiel für eine solche Gefahr wäre die konsequente Umsetzung der gentechnischen Möglichkeiten, die sich vermutlich in der Zukunft ergeben werden, mit dem Ziel, sämtliche, mit Fehlfunktionen des menschlichen Körpers zusammenhängenden Probleme zu beseitigen: keine Krankheiten mehr; nur noch hübsche, gut gebaute, intelligente, in jeglicher Hinsicht perfekte Menschen würden die Erde bevölkern.

Neben praktischen Problemen (zum Beispiel wie auch niedere Aufgaben/wenig anspruchsvolle Berufe ausgeführt werden könnten, ohne Unterforderung der Menschen zu riskieren; wie die Regierung organisiert werden sollten, wenn jeder Mensch in exakt dem gleichen Maße dazu befähigt wäre), psychischen Problemen (Gleichheit aller Menschen, fehlende Anerkennung des Individuums etc.) drängen sich vor allem humanistische Probleme auf: Durch die nicht gegebene Individualität sowie das Übermaß an Perfektionismus entstünde eine Welt, die der heutige Mensch als eindeutig unmenschlich bezeichnen würde. Alle Unterschiede, jeglicher Facettenreichtum ginge verloren. Zurück bliebe nichts als eine aufgrund ihrer Uniformität bedrückende und „langweilige“ Welt, die ohne expliziten Sinn existiert und auch keine Bemühungen unternimmt, einen solchen Sinn zu finden.

Auch aus christlicher Perspektive ist ein solches Szenario abzulehnen, einerseits aus den schon genannten humanistischen Gründen, andererseits weil es (das Szenario) sich aufgrund des Wertes, den das menschliche Leben im christlichen Glauben besitzt, schlicht verbietet.

Der Mensch, wie sich vor allem im priesterlichen Schöpfungsbericht zeigt, ist kein Zufallsprodukt, sondern höchstwertiges Element der Schöpfung. Er ist von Gott geliebt und bekannt. Das menschliche Leben erhält dadurch einen Wert, der es verbietet, auf oben beschriebene Weise, also durch Klonen, respektlos mit dem „Gut“ Leben umzugehen.

Auch hat Gott den Menschen so erschaffen, wie dieser ist. Eine absichtliche Veränderung der Natur des Menschen wäre ein Eingriff in die Schöpfung (=Blasphemie). Außerdem erhält das menschliche Leben durch die Hoffnung auf Vollendung des Reichs Gottes einen Sinn, es ist also keine oben erwähnte Sinnlosigkeit vorhanden.

Kategorie: katholische Religion | Kommentare (3)