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Jan van Eyck - Die Madonna des Kanzlers Rolin

von Friedemann Winkler

  • Kunst-Referat (Jahrgang 12)
  • 10 Minuten
  • 13 Punkte (vor Korrektur)

 

Jan van Eyck – Die Madonna des Kanzlers Rolin (1437)

1. Der Künstler

  • Jan van Eyck wurde um 1390 in Maaseik, einer Kleinstadt 25 km nördlich von Maastricht geboren
  • Seine Jugend liegt trotz intensiver Forschungsarbeit im Dunkeln
  • Hinzu kommt, dass ein großer Teil seiner Arbeit nicht mehr erhalten ist
  • Seine erste urkundliche Erwähnung stammt von 1422, in dieser Zeit trat er in den Dienst Herzog Johanns von Bayern
  • Nach dem Tod des Herzogs fand van Eyck Anstellung bei Philipp dem Guten, bei dem er viele Jahre lang Hofmaler blieb
  • Sein Aufgabenbereich beschränkte sich nicht nur auf das Malen von Porträts, er war ebenso für Entwürfe höfischer Kleidung, Schmuck für Zeremonien, Festlichkeiten und Turniere zuständig
  • Neben der Malerei war van Eyck auch ein talentierter Diplomat
  • Philipp schickte ihn innerhalb von zehn Jahren auf mehrere Geheimmissionen
  • Jan van Eyck schuf den von seinem Bruder Hubert begonnenen Genter Altar
  • Ab dieser Zeit arbeitete er auch für private Auftraggeber
  • Für den Kanzler Nicolas Rolin malte er zum Beispiel die Anbetungsszene der Muttergottes, die ich heute vorstelle
  • Im Jahr 1433 heiratete er seine Frau Margarete
  • Nach sechzehnjähriger Zusammenarbeit mit Philipp dem Guten starb van Eyck 1441 in Brügge, wo er am 9. Juli in der Kirche St. Donatian beigesetzt wurde



2. Das Bild

I. Fakten

1437 in Burgund gemalt
Öl auf Holz
66 x 62 cm
Heute im Louvre

II. Beschreibung

Zusammenfassung:

  • In einer Halle kniet ein älterer Mann im Gebetsstuhl vor der Jungfrau Maria
  • Im Hintergrund befindet sich ein Fluss
  • Auf dem Schemel liegt ein Stundenbuch (mit für den Tag wichtigen Gebeten)
  • Text nicht zu entziffern bis auf den ersten Buchstagen D
  • Die Hände des Kanzlers darüber sind weiß und gepflegt
  • Auf ihrem Schoß sitzt Christus
  • Schwebender Engel hält eine goldene Krone über den Kopf der Himmelskönigin
  • Bild zeigt mit der größten Selbstverständlichkeit einen hohen Staatsbeamten, Nicholas Rolin, in der Gesellschaft der Königin des Himmels
  • Rolin 58 jahre alt
  • Hat Zeichen der Herrschaft (Reichsapfel aus Kristall) in der Hand  höchst ungewöhnlich, dass Mutter und Kind mit den Attributen politischer Macht gezeigt werden (Maria wird gerade gekrönt)
  • Ausdruck des Kindes recht unkindlich
  • Fluss trennt befestigte Stadt auf der auf der rechten Seite von einem Vorort auf der linken
  • Durch Brücke verbunden, die von einem Turm au verteidigt werden kann
  • Menschen überqueren die Brücke
  • Andere erscheinen auf den Straßen und dem Platz des Ortes
  • Dieser hat hinter dem grübelnden, doch durchaus siesseitigen Rolin nur eine Kirche
  • Stadt hinter der Jungfrau bietet dazu den größten Gegensatz
  • Häuser gehen zwischen den Kirchen fast unter
  • Dank der äußersten Präzision von Jan van Eycks kann man zehn Kirchen zählen, deren wichtigste die riesige Kathedrale ist
  • Stadt der Jungfrau, des Malers persönliche Huldigung and ei mädchenhafte Gottheit
  • Am Kai werden Boote entladen, oder sie pendeln über den Fluss
  • Die Heilige Jungfrau hat sich als hoher Gast in der Halle des Kanzlers bescheiden auf einem Kissen niedergelassen (Bildbefragungen, Alte Meister – neu erzählt)
  • Die Halle gehört ganz offensichtlich der Maria; ihr Thron ist fest eingebaut, das Betpult des Kanzlers ist transportabel (100 Meisterwerke aus den großen Museen der Welt)

o So ein Raum kann nicht existieren:
o Vierblättrige Schmuck an der Basis der Säule ist gotisch, aber die Bögen zu Häupten der Säule sind gerundet, romanisch, also in früherem Stil (gebildeter Betrachter weiß, dass er den Blick auf den Hof des Himmels richtet)

  • Biblische Szenen auf den Kapitellen
  • Johannes spricht in der Offenbarung von der stadt „ich sah darin keinen Tempel“ und von einer großen hohen Mauer, die man auch auf diesem Abild sieht: eine zinnengekrönte Mauer am Ende eines Gartens mit Rosen, rot wie Christi Blut, und Lilien, weiß wie die Reinheit der Jngrau
  • Nit ihrem Leib dient sie dem Christuskind als Thron, eine sanfte Erscheinung, trotz des königlichen Purpurmantels und der Krone
  • Vor ihr darf der betende Sünder Verständnis und Vergebung erhoffen
  • Himmmelskönigin als anmutige junge Frau
  • Strahlender als die Sonne, übertrifft weit das Sternenheer (auf rand geschrieben)
  • Auf dem Saum ihres Rockes ist ein Lateinischer Text (biblischer Text, der den Leuten zu der Zeit so geläufig war, dass sie die fehlenden Stellen problemlos ergänzen konnten) zum Ruhme der Jungfrau
  • Andere Hand erteilt dem Knieenden den Segen
  • Licht der untergehenden Sonne beleuchtet die Szene
  • Gewand des Mannes ist aus Goldbrokat und mit Nerz abgesetzt, schimmert prunkvoler als der rote Mantel der Madonna
  • Ort: hochgelegener, prächtiger Palast
  • Fensterbögen
  • Blick auf fernes Gebirge, Fluss und die Gebäude einer Stadt  Reichtümer dieser Welt
  • Der Betende kniet allein, auf eier Ebene und in gleicher Größe wie die Muttergottes
  • Statt sich klein in eine Ecke zu ducken nimmt er die ganze linke Bildhälfte ein
  • War ursprünglich mit einer großen Geldbörse dargestellt, später aber übermalt
  • Kreuz auf Brücke erinnert an die Sühneleistung Frankreichs für den Mord an dem Vater von Philipp dem Guten
  • Über 2000 Menschen zu sehen
  • Sehr detailliert
  • Landschafrt lässt sich nicht lokalisieren
  • Keine realistische Wiedergabe einer bestimmten Gegend, sondern eine Synthese verschiedener Reiseeindrücke
  • Details lassen sich zuordnen: Turm des Utrechter Domes, Lütticher Sankt-Lambert-Kathedrale
  • Prächtige Stadt ist angemessener Hintergrund für ein repräsentatives Kanzlerporträt
  • Geschöntes Abbild der reichen Städte Großburgunds


Kleiner Garten mit Rosen. Lilien und prächtigen Pfauen, zu dem sich die Halle öffnet:

o Entweder Anspielung auf Rolins weltlichen Besitz oder „Hortus conclusus“, das „geschlossene Gärtlein“, ein im Mittelalter gebräuchliches Sinnbild der Heiligen Jungfrau
o Auch die in den Stein gemeißelten biblishschen Szenen auf den Säulenkapitellen lassen verschiedene Interpretationen zu
o Mehrdeutiger, verhüllter Symbolismus ist vom Maler gewollt

Gestalten in der Mitte des Bildes:

o Sehen einwenig wie Zwerge aus
o Der Stehende Mann ist von normaler Größe, genauso hoch wie die schtzende Mauer
o Er kann nicht hinunterschauen
o Scheint einem Gefährten zuzuhören, der weit vorgebeutg zum fluss hinunterschaut

Interpretation

  • Mittelalterliches Stifterbild
  • Auch diesseitiger, irdischer Glanz
  • Unterscheidet sich von frommen Darstellungen des Mittelalters in mehreren Details
  • Verweisen auf den anbruch einer neuen Zeit und sagen zugleich etwas aus über die Person des Auftraggebers
  • Dem Betenden steht nicht, wie sonst üblich, ein Heiliger als Mittler zu rSeite
  • Für den Mann zählt das Weltliche mehr als das Religiöse
  • Grund zum Stolz: Nicolas Rolin war der Kanzler im Fürstentum Burgund und hat laut Zeitgenossen seinen Herzog, Philipp den Guten zum ruhmreichsten Herrscher der Erde gemacht
  • Rolin erweiterte während seiner fast 40jährigen Amtszeit Burgund auf den sechsfachen Umfang der ursprünglichen französischen Proninz
  • Geführchtete europäische Grl0macht
  • Rolin Emporkömmling von geringer Herkunft
  • Von allen großen Fürsten gefürchtet
  • Eigenschaften der Burgunder Bauern: Zähingkeit, Schlauheit und Realitätssinn
  • Pflegte allein zu regieren
  • Vereinheitlichte Verwalsung und Justiz und beschnitt Privilegien des Adels
  • Rebellionen des Kommunen gegen die Steuerlast erbarmungslos niedergeschlagen
  • Habgier
  • Versuchte Seelenheil durch spektakuläre Mildtätigkeit zu erkaufen
  • Bild vlt als Andenken an ein besonderes Ereignis in seinem Leben, z.B. Vertrag von Arras (Ende des Bürgerkrieges zwischen Großburgund und Frankreich)
  • Fällt zeitlich mit Höhepunkt in Karriere zusammen
  • Rolin war sein Leben lang bemüht, sich die Jungfrau Maria gnädig zu stimmen
  • Hat in seinem Testament der Kirche zu Autun eine silberne, über 7kg schwere Madonna Statue mit goldener Krone gestiftet
  • Vlt ist es dieser feine, mit Edelsteinen verzierte Kopfschmuck, der auf van Eycks Bild von einem Engel dargebrrcht wird, eine Anspielung auf diese geplante Spende
  • Überklare Beschreibung der einzelnen Gegenstände hat etwas gemeinsam mit dem deteillierten Überfluss, der für eie burgundische Kultur im ganzen charakteristisch war, von Gedichten und Chroniktn bis zu Banketten und Prozessionen
  • Sicherste Weg, Gott recht zu werden, ist, mit liebevoller Genauigkeit die Gegenstände wiederzugeben, die Er geschaffen hatte oder die Menschen durch Ihn hatten schaffen können
Kategorie: Kunst | Kommentare (5)
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